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Unser Video der Woche

Die Kinder der Pandemie

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In der Politik passiert nichts zufällig. Wenn es doch passiert, war es so geplant.

Franklin D. Roosevelt

Lass niemals eine Krise ungenutzt verstreichen.

Winston Churchill

Am 12. März wurde die Maskenpflicht für alle Schüler ab dem Cycle 2 gesetzlich verankert[1]. Im Schuljahr 2020/2021 wurde sie im Sekundarunterricht bereits ab Herbst faktisch umgesetzt, zu diesem Zeitpunkt noch ohne legale Basis. Ab den Osterferien kamen die freiwilligen Selbsttests in den Schulen hinzu, zunächst einmalig pro Woche, ab den Pfingstferien dann auf 2 wöchentliche Tests erhöht.

Wir möchten die Umstände untersuchen, unter denen es zur Einführung dieser Maßnahmen kam. Dazu betrachten wir zunächst die zeitliche Abfolge der in diesem Zusammenhang stehender Schlüsselereignisse.

Eine Chronologie

2. Januar 2021
Trotz der Einschränkung von Flügen aus Großbritannien, wurde die britische Mutante in ersten Proben in Luxemburg nachgewiesen [2].

6. Januar
Die Möglichkeit, dass die Kinder in größerem Maße von der neuen Variante betroffen sein könnten, wird in den lokalen Medien thematisiert[3].

12. Januar
Santé-Direktor Dr. Schmit warnt: Die neue Variante stellt eine Gefahr dar, wenn sie sich ausbreitet, restriktivere Maßnahmen sind eventuell notwendig[4].

19. Januar
Die Covid-19-Task-Force meldet sich zu Wort[5]:

An do ass et sou, datt vill méi detailléiert Analysen noutwendeg sinn. An do gehéieren och d’Masken an de Schoulen, mee och eenzelen anere Secteuren dobäi.
Déi nei Varianten kéinten nämlech och bei jonke Leit oder Kanner méi schlëmm verlafen.

(Es sind somit genauere Analysen notwendig. Und dazu gehört auch die Maskenpflicht in den Schulen und in anderen Bereichen.
Die neuen Varianten könnten auch bei Jugendlichen und Kindern einen schlimmeren Verlauf verursachen.)

28. Januar
Erziehungsminister Meisch gibt eine erste Warnung heraus[6]. Dabei wird betont, das vor allem die britische Variante Sorgen bereitet. Dies stellte ein Paradigmenwechsel dar, galt doch bis jetzt der wissenschaftliche Konsens, dass Schulkinder weder selbst durch Covid-19 gefährdet waren, noch dass es im Schulbetrieb zu nennenswerten Ansteckungen kommen könnte.

4. Februar
Nachdem im Laufe des Monats Januar die Inzidenz in den Schulen leicht angestiegen war, findet der Unterricht in der Woche vor den Fasnachtsferien (KW 6) „vorsichtshalber“ im Homeschooling statt. Die Schlagzeilen in den Medien lassen keinen Zweifel daran, dass dies durch die neuen Virusvarianten bedingt ist: Les variants mettent K.-O. le milieu scolaire [7] oder Zurück ins Homeschooling / Schulschließungen: Virusvarianten bereiten ernsthafte Sorgen[8].

12. Februar
Auf einer Pressekonferenz am 12. Februar des Erziehungsministeriums [9] wird die Entwicklung der Neuinfektionen in den Schulen analysiert. Es wurden vermehrt Cluster festgestellt, die in Zusammenhang mit den neuen Virusvarianten stehen könnten. In der Folge müssten die bestehenden Maßnahmen an die neue Situation angepasst werden. Vom Erziehungsminister Meisch kommt dann auch die Ankündigung, dass nach den Fasnachtsferien Maskenpflicht besteht[10]:

Et hätten donieft och vill méi Clustere ginn an deenen déi brittesch Variant vum Virus massiv present wier. All dat féiert dozou, datt d’Schoule just ënner verstäerkte sanitäre Mesuren kéinten opgoen. Heescht: Vum 22. Februar u gëllt iwwerall eng Maskeflicht an de Schoulen an och Maison relaisen, an dat vum Cycle 2 un.

(Die Zahl der Infektionsclustern, bei denen eine hohe Beteiligung der britischen Variante festgestellt worden war, war stark gestiegen. All dies führt dazu, dass die Schulen nur unter strengeren sanitären Maßnehmen wieder geöffnet werden können. Das bedeutet: ab dem 22. Februar gilt eine allgemeine Maskenpflicht in den Schulen und Kitas, und das ab dem Cycle 2.)

12. März
Am 12. März wird die Maskenpflicht in den Schulen gesetzlich verankert[1].

19. April
Nach einer kurzen Pilotphase wurden die Schnelltests nach den Osterferien in den Schulen eingeführt[11]. Die 120.000 Schüler und Schulpersonal können sich einmal pro Woche auf freiwilliger Basis testen.

31. Mai
Nach den Pfingstferien sind es zwei Tests pro Woche.

Die Datenlage

Die Entwicklung der positiven Fälle bei den Schülern des Enseignement fondamental und secondaire von KW 42/2020 (12. Oktober) bis KW 23/2021 (7. Juni) zeigt folgende Grafik:

Die Definitionen der unterschiedlichen Szenarien sind in den wöchentlichen Berichten des Erziehungsministeriums zu finden [12] und lauten wie folgt:

  • scénario 1: ein einzelner Fall in einer Klasse, wo davon ausgegangen wird, dass er sich außerhalb der Schule infiziert hat.
  • scénario 2: 2 positive Fälle in einer Klasse, ohne Unterscheidung der Infektionsquelle
  • scénario 3: 3 – 5 positive Fälle in einer Klasse
  • scénario 4: mehrere Fälle, wo man davon ausgeht, dass die Ansteckung innerhalb der Schulgemeinschaft stattgefunden hat. Dies ist der Fall bei mehr als 5 positiv Getesteten in einer oder mehreren Klassen einer Schuleinrichtung. Man spricht dann von einem „Cluster“.

In der Pressekonferenz vom 12. Februar wird die Einführung der Maskenpflicht an den Schulen im Wesentlichen durch die 3 folgenden Gründe gerechtfertigt:

  1. Eine höhere Positivenrate in den Altersgruppen „0 bis 9“ und „10 bis 19 Jahre“ im Vergleich zur restlichen Bevölkerung.
  2. Ein Anstieg der Anzahl positiver Fälle bei den Schülern des Enseignement Fondamental ab dem 25. Januar.
  3. Ein gehäuftes Auftreten von Cluster an denen die britische Variante beteiligt ist.

1. Positivenrate

In der Pressekonferenz wurde die folgende Grafik gezeigt. Die erhöhten Werte für die Altersgruppen „0 bis 9“ und „10 bis 19 Jahre“ in KW 2 bis 5 wurden dabei rot umrandet hervorgehoben.

Wie wir in einem vorherigen Artikel [13] ausführlich beschrieben haben, unterscheiden sich die Positivenraten (Anteil positiver Tests pro Gesamtzahl) in den verschiedenen Testrahmen „Diagnostic“, „Contact tracing“ und „Large Scale Test (LST)“ zum Teil wesentlich. Während beispielsweise die Altersgruppen der Berufstätigen in der Regel zum größten Teil im LST, welcher eine sehr kleine Positivenrate hat getestet werden, werden Kinder eher gezielter getestet, etwa wenn sie symptomatisch sind, oder Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. Es ist somit offensichtlich, dass sich diese Altersgruppen in ihrer jeweiligen Positivenrate unterscheiden können, ohne dass dies eine Bedeutung für das tatsächliche Infektionsgeschehen in dieser Kategorie hätte. Ein Bericht vom MEN [14] vom 12. November kommt zu dem gleichen Schluss:

Dans les semaines après le retour à l’école, le Contact tracing (CT) a joué un rôle majeur dans la stratégie du testing. (…) Ceci est une information à prendre en compte pour les analyses, car nous nous attendons à ce que les tests qui sont demandés par le CT produisent un taux de cas positifs plus élevé. Les tests qui proviennent du CT ou d’une ordonnance médicale sont en effet plus ciblés, car ils sont effectués sur une population pour laquelle une suspicion de contamination est présente.

(In den Wochen nach Schulanfang hat das Contact tracing (CT) eine Hauptrolle in der Teststrategie gespielt. (…) Dies muss bei den Analysen berücksichtigt werden, da wir bei den Testungen, welche im Rahmen des CT durchgeführt werden eine höhere Positivenrate erwarten. Die Tests im CT oder auf ärztliches Rezept werden gezielter durchgeführt da sie bei Personen zur Anwendung kommen wo ein Verdacht auf eine Infektion besteht.)

Trotzdem wird genau diese Positivenrate herangezogen, um die verschiedenen Altersgruppen miteinander zu vergleichen!

Betrachtet man zudem die Positivenraten der Altersgruppen 0-9 und 10-19 über den Zeitraum von Oktober 2020 bis Juni 2021, so erkennt man unmittelbar, dass ein starker Anstieg dieser Größen auch schon zu anderen Zeitpunkten (KW 43/2020 und 15/2021) erfolgte, ohne dass hier die Notwendigkeit gesehen wurde, die Maßnahmen anzupassen.

Möchte man das Infektionsgeschehen in verschieden Altersgruppen miteinander vergleichen, sollte man unmittelbar die Fälle pro Anzahl der Personen in der jeweiligen Alterskategorie betrachten.

Der Behauptung, die britische Variante würde sich stärker in der jüngeren Bevölkerung verbreiten, kann klar widersprochen werden:

  • Man sieht deutlich, dass in der Altersgruppe „10-19 Jahre“ auch vorher schon der Anteil an positiv Getesteten im Vergleich zu den anderen Altersgruppen sehr hoch war. Dies könnte damit erklärt werden, dass dieser Teil der Bevölkerung vermutlich die meisten sozialen Kontakte hat, und somit auch das Infektionsgeschehen in dieser Gruppe am höchsten ist. Der Anteil positiv Getesteter in dieser Gruppe erreicht in KW 12 ein Maximum von 0,35 %, nicht einmal die Hälfte des höchsten Wertes von 0,76 % in KW 46.
  • In der Kategorie „0-9 Jahre“ liegen die Werte ebenfalls ab Januar lediglich in KW 5 und 6 über denen der anderen Altersgruppen um sich danach gegenüber den anderen Kategorien im Mittelfeld zu stabilisieren. Wie im vorherigen Fall liegen die Werte unter denen, welche von November bis Dezember gemessen wurden. Die Maxima der 2. bzw. 3. Welle liegen hier bei 0,47 % (KW 48) und 0,27 % (KW 5).

Zu diesem Schluss kommt dann auch des Erziehungsministeriums in einer Publikation vom 15. April [15]:

… nous ne sommes pas encore en mesure de nous exprimer quant à une éventuelle susceptibilité accrue des plus jeunes aux nouveaux variants.

(… wir sehen uns noch nicht in der Lage, uns über eine erhöhte Anfälligkeit der Jüngsten gegenüber den neuen Varianten auszusprechen.)

Die Positivenrate ist somit in diesem Zusammenhang nicht geeignet das Infektionsgeschehen in den unterschiedlichen Altersgruppen miteinander zu vergleichen.

Anstieg der positiven Fälle ab dem 25. Januar

In der Pressekonferenz vom 12. Februar wird für die Bewertung der Entwicklung der positiven Fälle lediglich der Zeitraum ab dem 4. Januar 2021 betrachtet.

In einem größeren zeitlichen Rahmen betrachtet, relativiert sich dieser Anstieg allerdings erheblich.

Wir betrachten dazu die Anzahl positiver Fälle in den verschiedenen Alterskategorien über das gesamte Intervall von Oktober 2020 bis Juni 2021. Das Zeitintervall der vorherigen Grafik (KW 1 bis 6) ist rot umrandet.

Abgesehen davon, dass die Anzahl der positiven Fälle in den Monaten Oktober bis Dezember wesentlich höher waren, ohne dass hier die Notwendigkeit gesehen wurde die Maskenpflicht einzuführen, sieht man sehr deutlich, dass der Verlauf in allen Alterskategorien die gleiche Tendenz aufweist, was rückblickend der bereits zitierte Bericht [15] bestätigt:

… les taux d’incidence dans les établissements scolaires reflètent les taux d’incidence dans la société …

(…die Inzidenzen in den Schuleinrichtungen spiegeln die Inzidenzen in der Bevölkerung wieder …)

Der temporäre starke Anstieg in den KW 4 und 5 könnte dagegen durch die gezielten Testungen der „équipes mobiles“ erklärt werden, die immer dann eingesetzt werden, wenn in einer Schule sich die positiv Getesteten häufen. Bei der Größe Luxemburgs können auf dies Weise schon wenige Cluster die Gesamtzahl der positiven Fälle wesentlich beeinflussen. Dieser Umstand würde ebenfalls die zu diesem Zeitpunkt hohen Positivenraten erklären.

3. Cluster

Die Einteilung in verschiedene Szenarien mit den jeweiligen Spezifikationen bedürfte an sich einer wissenschaftlichen Begründung. Wieso sind bei einem „Szenario 4“, was als Cluster eingestuft wird, 6 Fälle in einer Klasse oder einer Schule (unabhängig von der Gesamtzahl der Schüler in der jeweiligen Einrichtung) epidemiologisch schon relevant? Wieso nicht erst 10?

Wir sprechen hier nicht einmal von der Eigenheit des PCR-Tests, auch monatelang nach einer Infektion noch ein positives Resultat anzuzeigen[16]. Somit ergibt sich aus dem gleichzeitigen Auftreten mehrerer positiv Getesteten am gleichen Ort noch keineswegs ein kausaler Zusammenhang. Durch diese willkürliche Definition eines Clusters erhält dieses jedoch eine (psychologische) Bedeutung für die Bewertung der Lage, welche ihm per se nicht entspricht.

Die Argumentation seitens des Ministeriums erschöpft sich dann auch im Wesentlichen in einer Auflistung der in KW 4 und 5 (25. Januar bis 7. Februar) aufgetretenen Szenarien 3 und 4:

• Als Beispiele eines Scénario 4 werden 2 Schulen und 2 Kitas genannt, wo zwischen 14 und 50 Personen positiv getestet wurden.
• Bei der Analyse der KW 5 (1. bis 7. Februar) sind für die Szenarien 3 und 4, wo Infektionsketten innerhalb der Schule angenommen werden, jeweils 14 und 19 Klassen und 28 bzw. 41 Schüler betroffen.
• Bei der Beschreibung der „Szenarien 4“ werden für die KW 4 (25. bis 31. Januar) lediglich 2 und für die KW 5 schließlich 3 Schulen aufgezählt.

Laut Edustat [17] gibt es zurzeit im Enseignement Fondamental 181 Schulen mit rund 57.000 Schüler in schätzungsweise 3.800 Klassen (bei 15 Schülern pro Klasse). Die genannten Zahlen stellen somit einen verschwindend geringen Anteil dar.

Erwähnt werden sollte schließlich auch, dass eine Reihe der aufgetretenen positiven Fälle erst durch ein nachträgliches Testing zu einem Scénario 4 wurden (s. Anhang der bereits erwähnten Publikation [15]). Unter einem Testing versteht man das Durchtesten der ganzen Schulklasse nach Auftreten eines einzelnen Falles (Scénario 1) durch ein mobiles Team. Es handelt sich also hier wohlverstanden um das Testen von asymptomatischen Personen, bei welchem das Prinzip „wer sucht der findet“ gilt.

Je nachdem wie konsequent man diese Maßnahme umsetzt, wird man logischerweise also auch mehr oder weniger Cluster feststellen. Ein Schelm wer Böses dabei denkt…

Schaden-Nutzen-Analyse

Eine entsprechende Schaden-Nutzen-Analyse zum Tragen von Masken im schulischen Kontext wurde von den Verantwortlichen zu keinem Moment in Erwägung gezogen. Ein offener Brief von 120 Lehrern und Erziehern, welcher viel öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr, sowie 6 weitere Schreiben der im Anschluss gegründeten „FAIR Beweegung“ [18] an den zuständigen Minister, die unter anderem eine öffentliche Debatte über die Verhältnismäßigkeit der Maskenpflicht forderten, blieben unbeantwortet.

Der Nutzen

Die Maskenpflicht galt ab KW 8. Unabhängig ob man die Anzahl der positiven Fälle im schulischen Bereich, die Positivenrate der Tests, oder den Anteil der Fälle in der jeweiligen Altersgruppe betrachtet, lässt sich kein messbarer Effekt erkennen. Selbst die bereits zitierte Publikation des MEN [15] kann hier nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Maßnahme einen Einfluss hatte, und kommt zur Schlussfolgerung:

L’introduction du port obligatoire du masque à partir du cycle 2 semble avoir contribué à détendre la situation au sein des classes de l’enseignement fondamental.

(Die Einführung der Maskenpflicht ab dem „Cycle 2“ scheint zur Entspannung der Lage in den Klassen des Enseignement fondamental beigetragen zu haben.)

Die Zahlen stiegen auch nach Einführung der Maskenpflicht und folgten davon unabhängig der allgemeinen Entwicklung in der Gesamtbevölkerung. Ein Artikel auf Swiss Policy Research [19] listet 10 Studien auf, welche bezüglich der Eindämmung der Masken auf das Infektionsgeschehen keine oder eine nur schwache Effizienz feststellen konnten.

Der Schaden

In der Politik wie auch in der Öffentlichkeit scheint die Meinung vorzuherrschen, dass das Maskentragen einen vernachlässigbaren Schaden für die physische und psychische Gesundheit darstellt, und sich deshalb, selbst falls möglicherweise nicht notwendig, immer noch als Vorsichtsmaßnahme rechtfertigen lässt.

Wir möchten dem unsere Bedenken gegenüberstellen, indem wir nur auf eine kleine Auswahl der schädlichen Wirkungen eingehen:

  • Eine in der renommierten Fachzeitschrift International Journal of Environmental Research and Public Health von 8 Wissenschaftlern veröffentliche Studie [20] hat gezeigt, dass die Maske unter anderem wesentlich den Atemwiderstand und das Totraumvolumen beeinflusst, welches wiederum den Sauerstoffgehalt im Blut herabsetzt. Dies führt kurzfristig zu Stress und Erschöpfungszuständen und kann langfristig sogar eine Schädigung des Immunsystems hervorrufen oder die Gefahr einer Krebs-Entstehung erhöhen.
  • Die Masken stellen eine ideale Umgebung für Krankheitserreger dar. Auf Masken, die von Kindern getragen worden waren, fand ein Labor Bakterien, Parasiten und Pilze, darunter auch welche, die eine Lungenentzündung auslösen können [21].
  • Die psychischen Probleme bei Kindern und Jugendlichen haben durch die Corona-Maßnahmen stak zugenommen und manifestieren sich unter anderem in Suizidalität, Angstzuständen, Depression und selbstverletzendem Verhalten[22]. Offensichtlich spielt hier das Tragen der Masken eine nicht vernachlässigbare Rolle [23].

Ebenso sind die nach den Osterferien eingeführten Selbsttests, was den potenziellen gesundheitlichen Schaden angeht, keinesfalls unproblematisch. Abgesehen davon, dass der epidemiologische Nutzen grundsätzlich infrage gestellt werden kann [24], bestehen berechtigte Bedenken bezüglich der in der Pufferlösung benutzen Chemikalien [25], der Sterilisation mit Ethylenoxid (EO) des Abstrichtupfers [26] sowie dessen Reizung der Nasenschleimhaut [27].

Es bleibt somit unverständlich wieso eine Schaden-Nutzen-Analyse bislang nicht durchgeführt worden ist.

Ein bitterer Nachgeschmack

Die angebrachten Argumente zur Einführung der Maskenpflicht sind bestenfalls dürftig. Das Weniger an Wissenschaftlichkeit wird durch ein Mehr an Schlagworten wie „Cluster“ und „gefährliche Variante“ wettgemacht.

Eine Diskussion über den Schaden und Nutzen der Masken ist sichtlich nicht erwünscht. Mittlerweile wird alleine die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in der Öffentlichkeit schon mit der Leugnung der Pandemie gleichgesetzt, wie der Shitstorm in den (sozialen) Medien nach Publikation des „offenen Briefes der 120“ zeigte.

Obschon dass spätestens seit dem 15. April klar war[15], dass die befürchtete erhöhte Infektiosität der britischen Variante sich bei Kindern und Jugendlichen nicht bestätigt hatte, und eine Effizienz der Maskenpflicht nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, wurde diese trotzdem bis zum Ende des Schuljahres beibehalten. Dies erscheint umso unverständlicher, da zu diesem Zeitpunkt die Selbsttests in den Schulen eingeführt worden waren und es im Innenbereich des Horeca keine Maskenpflicht gab.

Bei näherer Betrachtung der eingangs angeführte Chronologie ist man versucht eine gewisse mediale Inszenierung nicht ausschließen zu können: Die chronisch trübe Kristallkugel der Taskforce nimmt plötzlich politische Entscheidungen vorweg [5], die spezifische Gefahr für die Kinder, welche von der britischen Variante ausgeht, sowie die Schließung der Schulen in KW 6 werden großzügig in Szene gesetzt[3,6,7,8]. Am Ende erscheint dann die Maskenpflicht als einzig mögliche Antwort auf die drohende Gefahr.

Das Hauptproblem liegt unserer Ansicht nach jedoch in der Art und Weise wie in der aktuellen Krise politische Entscheidungen getroffen werden. Schlussendlich liegt die Einschätzung der epidemiologischen Lage in den Händen einer kleinen Gruppe von Personen, welche an sich ja nicht demokratisch gewählt sind, und keinerlei externen Kontrolle unterliegen. Stützt sich die Politik einzig und allein auf diese Expertise, wird sie zudem ihrer Aufgabe nicht gerecht, konkurrierende Dringlichkeiten gegeneinander abzuwägen, also in diesem Falle etwa Infektionsschutz vs. menschliche Bedürfnisse und psychische Gesundheit.

Die Vermählung von Politik und Wissenschaft reduziert politische Entscheidungen auf spezifisch wissenschaftliche Erkenntnisse. Erstere einmal getroffen können dann nicht mehr rückgängig, letztere nicht mehr revidiert werden. Wissenschaft mutiert zum Dogmatismus, Demokratie zur Technokratie.

Wir empfehlen in diesem Zusammenhang die Lektüre „Die offene Gesellschaft und ihre neuen Feinde“ von Wissenschaftsphilosoph Prof. Esfeld [28]. Seit 2009 Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften der BRD, erlangte er in den Medien Aufmerksamkeit durch einen offenen Brief an seinen Präsidenten Prof. Haug, in dem er kritisierte, dass eine nicht nach wissenschaftlichen Maßstäben verfasste Stellungnahme der Leopoldina als Legitimation für politische Entscheidungen benutzt worden war [29].

Abschließend müssen wir leider eine allgemeine Tendenz feststellen, dass für die Politik die Würde und das Wohl (auch) der Kinder seit Anfang der Pandemie nurmehr eine untergeordnete Rolle spielt[30]. Eindrucksvoll zeigt sich dies beispielsweise am Umstand, dass es bei der Covid-Impfung von Kindern einzig um die Herdenimmunität geht. Luxemburg macht hier keine Ausnahme, wie die Antwort der Gesundheitsministerin auf die parlamentarische Frage Nr. 3976 [31] zeigte:

Et ass bewisen, dass Kanner a Jugendlecher sech mat SARS-CoV-2 ustieche kënnen, an esou och zur Verbreedung vum Virus an der Bevëlkerung baidroen. Et war also logesch, och déi Jugendlech ze impfen, wann den lmpfstoff dann zougelooss ass. Dëst géif sécher zur Herdenimmunitéit baidroen…

(Es ist bewiesen, dass Kinder und Jugendliche sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infizieren können, und damit auch zur Verbreitung in der Bevölkerung beitragen. Es wäre also logisch auch die Jugendlichen zu impfen, wenn der Impfstoff die Zulassung erhalten hat. Dies würde sicher einen Beitrag zur Herdenimmunität leisten… )

Entspricht dies nicht genau der Definition von Instrumentalisierung[32]?

Quellen

[1] Loi du 12 mars 2021 portant modification de la loi modifiée du 17 juillet 2020 sur les mesures de lutte contre la pandémie Covid-19.
http://legilux.public.lu/eli/etat/leg/loi/2021/03/12/a193/jo

[2] Wort (02.01.2021): Le variant du covid-19 détecté au Luxembourg
https://www.wort.lu/fr/luxembourg/le-variant-du-covid-19-detecte-au-luxembourg-5ff0aca1de135b92363df62c

[3] Wort (06.01.2021): Les enfants plus touchés par la variante du covid?
https://www.wort.lu/fr/luxembourg/les-enfants-plus-touches-par-la-variante-du-covid-5ff5901cde135b92363b773b

[4] RTL (12.01.20121): 6 Fäll vu brittescher Corona-Mutatioun zu Lëtzebuerg detektéiert
https://www.rtl.lu/news/national/a/1644375.html

[5] RTL (19.01.20121): Rapport Covid-19-Task-Force: “Mir rutschen an eng nei Well!”
https://www.rtl.lu/radio/thema-vum-dag/s/3446370.html

[6] RTL (28.01.20121): “Mir mussen extrem virsiichteg sinn!”, sou de Claude Meisch
https://www.rtl.lu/news/national/a/1662470.html

[7] Wort (04.02.2021): Les variants mettent K.-O. le milieu scolaire
https://www.wort.lu/fr/luxembourg/les-variants-mettent-k-o-le-milieu-scolaire-601c12e2de135b9236c10c7d

[8] Tageblatt (05.02.2021): Zurück ins Homeschooling / Schulschließungen: Virusvarianten bereiten ernsthafte Sorgen
https://www.tageblatt.lu/?post_type=post&p=895771

[9] MEN (12.02.2021): Dispositif sanitaire à l’Éducation nationale dans le contexte de la crise COVID-19
https://gouvernement.lu/dam-assets/documents/actualites/2021/02-fevrier/12-reouverture-ecoles.pdf

[10] RTL (12.02.2021): Verschäerfte Mesuren an de Schoulen, dorënner Maskeflicht
https://www.rtl.lu/news/national/a/1671078.html

[11] RTL (15.03.2021): No der Ouschtervakanz kommen d’Schnelltester an de Schoulen
https://www.rtl.lu/news/national/a/1687992.html

[12] Men.lu: Covid19, État hebdomadaire de la situation dans les écoles luxembourgeoises
https://men.public.lu/fr/support/coronavirus.html

[13] Expressis Verbis: Invasion der Mutanten
https://www.expressis-verbis.lu/2021/06/26/invasion-der-mutanten/

[14] men.lu (12.11.2020): Rapport d’analyse sur la situation de la COVID-19 dans les établissements scolaires du 15 septembre au 1er novembre 2020
https://men.public.lu/dam-assets/catalogue-publications/sante-bien-etre/covid19/2011-rapport-covid-etablissements-scolaires.pdf

[15] men.lu (15.04.2021): Rapport d’analyse sur la situation de la COVID-19 dans les établissements scolaires du 4 janvier au 4 avril 2021
https://men.public.lu/dam-assets/catalogue-publications/sante-bien-etre/covid19/RAPPORT-COVID-AVRIL-2021.pdf

[16] RKI: Grafik Erregernachweis
https://www.rki.de/SharedDocs/Bilder/InfAZ/neuartiges_Coronavirus/Grafik_Erregernachweis.png

[17] Edustat: L’enseignement au Luxembourg en chiffres
https://edustat.script.lu/fr/public-data/key-figure

[18] FAIR Beweegung
https://fairbeweegung.lu/

[19] Swiss Policy Research: Are Face Masks Effective? The Evidence.
https://swprs.org/face-masks-evidence/

[20] Is a Mask That Covers the Mouth and Nose Free from Undesirable Side Effects in Everyday Use and Free of Potential Hazards?
https://www.mdpi.com/1660-4601/18/8/4344/htm

[21] Uncut.news: Eine Gruppe von Eltern schickte die Gesichtsmasken ihrer Kinder zur Analyse in ein Labor.
https://uncutnews.ch/eine-gruppe-von-eltern-schickte-die-gesichtsmasken-ihrer-kinder-zur-analyse-in-ein-labor-hier-ist-was-sie-gefunden-haben/

[22] Question parlementaire n° 2957
https://chd.lu/wps/portal/public/Accueil/TravailALaChambre/Recherche/RoleDesAffaires?action=doQuestpaDetails&id=19930

[23] Quelles conséquences psychologiques du port du masque chez les enfants ?
https://www.youtube.com/watch?v=q-9dXJbESNI

[24] Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V. : Hygieniker warnen vor zu hohen Erwartungen an Schnellteste
https://www.krankenhaushygiene.de/informationen/817

[25] Prof. Dr. Werner Bergholz: Gefährdungsanalyse Durchführung von Covid-19-Schnelltests durch Laien
https://corona-transition.org/IMG/pdf/gefahrdungsanalyse_schnelltest_2021_04_16.pdf

[26] Health Hazards Associated With Ethylene Oxide
https://obpmedical.com/the-dangers-of-ethylene-oxide-gas-sterilization-for-medical-devices/

[27] PCR-Teststäbchen-Partikel können wie Asbest im Körper wirken
https://2020news.de/pcr-teststaebchen-partikel-wirken-wie-asbest-im-koerper/

[28] Club der klaren Worte: Die offene Gesellschaft und ihre neuen Feinde
https://clubderklarenworte.de/von-prof-michael-esfeld/

[29] MDR (19.02.2021): Wird die Leopoldina politisch instrumentalisiert?
https://www.mdr.de/wissen/leopoldina-politisch-instrumentalisiert-100.html

[30] NachDenkSeiten: Kinder in der Pandemie: „Instrumentalisierung pur!“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=74455

[31] Question parlementaire n°3976
https://www.chd.lu/wps/portal/public/Accueil/TravailALaChambre/Recherche/RoleDesAffaires?action=doQuestpaDetails&id=21231

[32] Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den biomedizinischen Wissenschaften: Instrumentalisierung
https://www.drze.de/im-blickpunkt/pid/module/instrumentalisierung

Photo: Demo in Luxemburg-Stadt. Mit freundlicher Genehmigung von Julia.